Wenn Sie einen Schaufensterbummel machen -- würden Sie jemandem erlauben, Sie weiterzuschubsen?

Das würden Sie sich verbitten. Sie würden so lange vor dem Fenster stehenbleiben wollen, bis Sie alles gesehen haben, was Sie interessiert.
Das ist aber genau das, was eine Flash-Site mit Ihnen macht: Sie weiterschubsen, wenn Sie noch gucken wollen, und Sie aufhalten, wenn Sie eigentlich weiterwollen.

Aus irgend einem Grunde ist die Technologie wieder auf dem Vormarsch, die die Websites zu einer Diashow macht, welche Sie weder beschleunigen noch verlangsamen können. Sie werden wie beim Fernsehen oder bei einer Präsentation von Bild zu Bild geführt, haben entweder zu wenig Zeit, um den Text zu lesen, oder der Text ist zu klein, aber Sie können ihn nicht mit Strg+ größer schalten wie bei jeder anständigen Website.

Nein, ich weigere mich, mir auch noch im Internet passiv eine Show gefallenzulassen!

Nachdem man schon fast Entwarnung geben konnte, weil die nervtötenden Flash-Intros verschwanden, sind sie wieder auf dem Vormarsch. Eine neue Webdesigner-Generation versucht, sich unentbehrlich zu machen, weil sie eine Site geschaffen haben, die gegen die Eingriffe durch andere geschützt ist. Und die Unsummen, die sie für ihre Arbeit verlangen, verhindert wirksam, daß der Auftrag jemand anderem erteilt wird, der ihnen eine Website erstellt, die nützlich, besucherfreundlich und billig ist, eine, die in Suchmaschinen einen vorrangigen Platz einnimmt.

In allen anderen Branchen kann man Waren zurückgeben und den Kaufpreis oder Ersatz verlangen, wenn die Ware nicht die zugesagten Eigenschaften aufweist. Eine Flashsite, die nicht auf den ersten Seiten von Google oder sogar überhaupt nicht auftaucht, die den Besucher nervt und von weiteren Besuchen abhält, weist die zugesagten Eigenschaften nicht auf. Der Kunde kann hier Garantie geltendmachen wie bei jeder anderen Ware auch.

Tun Sie das!

Zu viele "Web Designer" sind eigentlich nur mit Printmedien und Präsentationen vertraut.

Für das Internet zu arbeiten ist aber eine ganz andere Sache. Es fängt schon damit an, daß man es nicht mit einem passiven Konsumenten, sondern mit einem aktiven Benutzer zu tun hat. Wer sich in der Interaktivität querstellt, hat schon bei den meisten Besuchern verloren. Sie verwenden dann das nach dem "Zurück"-Knopf wichtigste Navigations-Element: Das X in der oberen rechten Ecke. Das Problem: Auftraggeber erfahren in den seltensten Fällen, daß Benutzer entnervt aussteigen und sich einen anderen Anbieter suchen. Die Auftraggeber sind meistens ihrem Webdesigner ausgeliefert, der das Informationsgefälle schamlos ausnutzt, als einziger die Zugangsdaten hat, der mit ihnen womöglich noch über den Deich geht, wenn er nicht mehr beschäftigt wird, und die Domain zu blockieren versucht.

Alles schon vorgekommen.

Lassen Sie sich eine Website machen, die von anderen weitergepflegt werden kann.

Lassen Sie sich von Anfang an die Zusage geben, daß auch andere mit der Site arbeiten können. Wenn sie in einem Content-Management-System angelegt ist, funktioniert das am besten, aber auch einfaches HTML, schnörkellos aufgebaut, erfüllt den gleichen Zweck und kann grafisch ansprechend gestaltet sein. Webdesigner wissen, es kann die Hölle sein, sich durch die Methoden des Vorgängers durchzufummeln. Lassen Sie wenigstens so arbeiten, daß es nicht schade ist, wenn man von Grund auf neu bauen muß. Das empfiehlt sich sowieso, denn mit der Zeit wird der Code so kraus, daß man mal mit der Machete hindurchgehen und die Seiten neu bauen sollte.

Man sieht am Layout, ob ein Webdesiger vorher mit Druckmedien oder Präsentationen zu tun hatte.

Das an sich ist nichts Schlimmes, sofern der Designer die Besonderheiten des Webdesigns verstanden hat. Wenn die Site zur Passivität zwingt, hat der Designer das Wesen des Internet nicht verstanden. Er mag sich mit Film und Fernsehen auskennen, aber diese Medien sind grundsätzlich anders angelegt als das Internet.

Ein Medium wie das Fernsehen können Sie weder aufhalten noch beschleunigen; Sie können nur weiterzappen. Eine Website hingegen sollte sich Ihrem Tempo anpassen.

Pompöse Animationen verschwinden hoffentlich aus dem Internet, weil sie sowieso übersprungen werden. Statt dessen siegt die übersichtliche Site, die schnell lädt und sofort auf den Punkt kommt. Der Besucher will weder die durchgestylte Super-Kunstseite noch eine "Bleiwüste", unendliche Weiten von ungegliederten Texten. Internetbesucher wollen den raschen Überblick und die gut zugängliche Site, die nicht mit Witzchen unterhalten will, die schon beim zweiten Besuch zu nerven anfangen.

So surft man in Ruhe und Zufriedenheit. Und das ist es auch, was Ihre Kunden von Ihrer Website erwarten. Nach dem ersten Überschwang darüber, was im Netz möglich ist, ist der Zugang nun eher nüchtern. Man fragt nach Benutzbarkeit, nach besucherfreundlichen Oberflächen, nach klarer Navigation, vielleicht -- auch wenn ich mich damit scheinbar arbeitslos mache -- nach Websites, die vom Besitzer selbst gepflegt werden können (CMS).

Hier ein Beispiel
Suchmaschinen-Optimierung
Disclaimer

Stand vom 27.08.2009













"if you approach design as problem solving
all you can ever hope to communicate
is the problem itself"

"Wenn Sie Design als Problemlösung betrachten, werden Sie höchstens das Problem selber rüberbringen"
(Neville Brody)




Aus dem Netz:

"Internetnutzer werden immer ungeduldiger und wollen auf den Punkt kommen"
Internet-Guru Jacob Nielsen hat festgestellt, dass nur noch ca. 25% der Besuche von Seiten über die Homepage führen. Drei Viertel aller Suchvorgänge gehen über eine Unterseite, nehmen also den Zugang über "deep linking". Abgeschlagen sind hierbei die nervtötenden "Intros", die in den vergangenen Jahren fast ganz aus dem Netz verschwunden sind. Unpopulär ist alles, was dem Benutzer unnötige Wartezeiten abverlangt.

Wie man bei Jacob Nielsen sieht, treibt er die Schmucklosigkeit seiner Homepage auf die Spitze -- das andere Extrem.