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In eigener Sache

Der Name lautet anders?

Es kann aufmerksamen Lesern aufgefallen sein, dass ich in letzter Zeit meinen Namen nicht mehr mit "von" schreibe. Das ist nun auch amtlich, während auch die Schreibweise vorher amtlich war. Dennoch war sie eine Kuriosität.

Das "von" stand in meiner Geburtsurkunde. Es stand darin, weil meine Eltern einige Jahre lang verpflichtet waren, es zu führen. Zwar war mein Vater noch als "erblicher Edelmann" geboren, und so stand es in seiner Geburtsurkunde. Doch führte die Familie im Baltikum dieses "von" nicht mehr, wie auch die Heiratsurkunde meiner Eltern beweist. Der russische Verdienstadel zählte nicht zu den baltischen Adelsfamilien, auch gab es keinen Landbesitz im Baltikum in meiner Familie. Das Land, das der Zar meinem Großvater gegeben (/günstig verkauft/als Lehen gegeben?) hatte, lag im damaligen Turkestan, heute Usbekistan.

Bei der Einbürgerung ins Deutsche Reich jedoch wurde das "von" in die Pässe eingetragen. Es gab vor 1945 wohl so eine Vorschrift, dass Adelsprädikate auch dann im Namen auftauchen mussten, wenn sie erloschen waren, wie es beim russischen Adel der Fall ist.

Mit diesem Pass wurde auch 1949 meine Geburt angemeldet.

Ein paar Jahre später legte mein Vater das "von"  jedoch nieder. Er tat das aus der Überzeugung, kein Anrecht auf ein Adelsprädikat zu haben, und als Sozialdemokrat lehnte er es auch ab.

Dann wurde mein Bruder geboren. Er ist 1953 als Nerling ohne "von" eingetragen. Dem neuen Status entsprechend wurde mir dann auch ein Kinderausweis ausgestellt -- ohne "von". Und mit diesem Namen verbrachte ich meine Schulzeit und Jugend. Alle meine Schulzeugnisse lauten auf Eva-Maria Nerling. Ebenso blieb es im Studium.

Im Vorbereitungsdienst zum Lehramt jedoch flog ich auf. Man kramte meine Geburtsurkunde heraus und verlangte, dass ich mir einen neuen Perso besorgen solle. Das tat ich brav. Der neue Name befremdete mich, und auch, dass Leute darauf abfuhren. Mir war es egal, und die Geburtsurkunde zu hinterfragen fiel mir nicht ein.

Man könnte denken, ich hätte davon Vorteile gehabt, aber das ist nicht so. Im Gegenteil; ich stieß gelegentlich sogar auf Vorurteile. Oder man foppte mich als "Freifrau von und zu".

Auch störte es mich zunehmend, dass ich mit diesem Namen in meiner Verwandtschaft allein dastand. Das sah ja so aus, als maßte ich mir den Titel nur an.

Mit dem Siegeszug der EDV wurde es auch immer schwieriger. Ständig wurde der Namenszusatz falsch eingetragen, ich wurde dann in der Datenbank nicht wiedergefunden, weil ich unter "V" stand -- es passierten ständig irgendwelche ärgerlichen Falschschreibungen wie "VONNERLING" auf einem Flugticket -- da platzte mir der Kragen, und ich fuhr zu meinem Standesamt. Ich trug dort meine Geschichte vor; der Standesbeamte sagte, das höre sich ja doch so an, als sei damals versäumt worden, meine Geburtsurkunde mit anzugleichen, also ein Fehler des Amtes. Somit sei das keine Namensänderung, sondern eine fällige Korrektur, und es sei klar, dass ich den gleichen Namen tragen solle wie mein Bruder und seine Kinder und Enkel.

Seit dem 6. September 2011 ist es nun also amtlich. Das "von" ist nicht mehr "von und zu", sondern "auf und da-von".